KTM 990 SM R – Brenneisen

Nun da ich meine kleine SV zum Ventile einstellen in die Werkstatt gegeben hab und einen fahrbaren Untersatz brauchte um den Heimweg anzutreten wurde mir vom Freundlichen eine Kati mit 1273km auf der Uhr überlassen. Wenn auch nur für 2 Tage, dafür aber was ganz feines. 😉

Eine 990 Supermoto und dann auch noch in der R Version. Unterschied zur „normalen“ SM sind ein Satz edler Felgen, leicht geändertes Fahrwerk, geänderte Bremsanlage, Carbon-Teile,  kleinerer Tank und am auffälligsten die Farbgestaltung.

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Der erste Eindruck:

Geile Optik mit kleinen Schwächen die aber halt Geschmackssache sind, sehr schmale Sitzbank hinter einem recht voluminös wirkenden Tank. Das Heck wirkt durch die Farbwahl zierlich ist aber alleine schon durch die Auspufflösung recht breit. Armaturen ala Mäusekino, sehr klein geraten dennoch ausreichend. Die Verarbeitung passt zum soliden und stimmigen Gesamteindruck.

Beim Zweiten Blick:

Sehr schöne Detaillösungen…kleine Hinterradabdeckung, leider zu klein aber besser wie nichts; Winziger Fender an der Rückseite des Vorderrades, vieleicht etwas zu winzig; Hydraulische Kupplungsbetätigung mit Verstellmöglichtkeit wobei das Verstellrädchen anscheinen aus rotem Kunststoff ist, eine kleine Alurändelschraube würde hier eher passen; Marchesini Alufelgen sehr schöne Teile; Bremsanlage vom Brembo, spricht eigentlich für sich, einzig der Urintopf am Lenker ist unnötig, am rückwärtigen Stopper hingegen sitzt ein filigranes metall Gefäß; Gitterrohrrahmen in durchweg guter Verarbeitung, hier und da sind ein paar kleine Schönheitsfehler an den Schweißnähten aber nichts dramatisches, da wo man nicht direkt drauf schauen kann sollte man es auch lassen, die Schweißperlen sehen leider genau so aus wie bei andern Herstellern auch.

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Fahrbericht 1. Tag:

Die ersten Meter: Ein Griff ins Klo…zumindest vom Wetter her. Regen und das nicht zu knapp. Egal hatte schließlich einen engen Terminplan an dem Tag. Musste noch meine Soziöse abholen und zu Ihrem Händler der Vertrauens bringen, danach stand dann eigentlich noch eine kleine Kurventestrunde an…eigentlich. Einmal Aufsitzen bitte und hoppla, Beine zu kurz, ne passt so grade noch. Die Sitzbank scheint verdammt hart zu sein, gibt sich jedoch als nicht unbequem. Also Seitenständer einklappen, Schlüssel rein, drehen, 5sec warten, Surren der E-Technik bewundert, Knopfdrücken, 2x PloppPlopp und aus. 🙁 Das Miststück braucht tatsächlich ein wenig mehr Druck auf den Starter als jeder Japaner den ich vorher hatte, vieleicht lags aber auch nur an der Feuchtigkeit. Choke suchen, Fehlanzeige ist alles elektronisch; Also 2. / 3. Versuch und das Motörchen polterte los. KTM like mit unheimlich mechanisch rau klingendem Motor, Kupplung, Gangrein und los. Die ersten Meter hatte ich das Gefühl irgenwie nichts unter mir zu haben, es wirkt einfach alles sehr leicht, fast wie eine 600er. Die Sitzposition ist entspannt angenehm mit direktem Kontakt zur Maschine. Die vorderen Bremsen sind bissig und lassen sich gut dosieren, hinten kam kein wirkliches Feeling auf, schien irgendwie kraftlos. Allerdings immer die nasse Fahrbahn im Hinterkopf gings STVO konform erst mal ein Stück durch die Stadt.

Die Stadtfahrt: Wie schon erwähnt geht alles recht leicht von der Hand, Gas und Bremse lassen sich schön dosieren; Der Motor läuft ab 2500U/min sauber, drunter eher 2 Zylindertypisch ruppig; Die Armaturen und Schalter sind alle da wo sie hin gehören. Durch den weiter stärker werdenden Regen sind die Tachoanzeigen fast nicht mehr zu erkennen, leider bleiben hier die Wassertropfen recht ungünstig drauf stehen und die schlechten Lichtverhältnisse tun ihr übriges. Nach den ersten 2km im nassen stellten sich dann aber leider die ersten unangenehmen Geräusche ein…die Bremse quitscht erbärmlich, vermute mal das liegt am Scheibenmaterial. Noch ein Geräusch zwang sich so leicht penetrant ins Unterbewußtsein…ein klingeln…da ich grundsätzlich auf Handyklingeln währen der Fahrt nur wiederwillig reagiere hab ichs einfach ignoriert. So nun aber raus aus Köln und auf die Bahn.

Die Autobahnfahrt: Wer Köln kennt und weiß was ab 17Uhr ist kann sich sicher denken was jetzt kommt: Stau; Ist natürlich kein Problem, also immer schön vorsichtig zwischen den Dosen her.(Den Autofahrer die Platz gemacht haben ein herzliches Dankeschön, den 3en die absichtlich zu machten einen Motorschaden und leeren Handyakku am Arsch der Welt); Endlich war dann die Bahn frei und es ging mit beachtlicher Leichtigkeit ein klein wenig schneller voran. 😉 Der Motor zieht sauber und fast mühelos hoch, das Getriebe läst sich gut schalten obwohl der Schalthebel an der Maschine eindeutig zu hoch eingestellt ist, nach 10 Minuten war dann auch die Autobahnfahrt vorbei. Es klingelt übrigens schon wieder. Weiter gings über Landstraßen.

Landstraße: Der Regen hatte sich mit der Kati anscheinen schon angefreundet und prasselte munter weiter. An der nächsten Ampel spielten mir dann beim Losfahren die Reifen einen kleinen lustigen Streich. 1.Gang, Gas und das Ding schießt mit leicht ausbrechendem Heck nach vorne; 2. Gang immer noch mit sehr gutmütigem und kontrollierbarem Drift der sich langsam fängt (erinnert mich irgendwie an meine alte SC28) Ich schiebs mal auf die Reifen die mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit nicht die besten Regenschlüffchen sind. Kurven hatz ist natürlich bei den Witterungsbedingungen nicht aber unter den Vorausetzungen schon mal alle Achtung, das Fahrwerk scheint sich da keine Blöße zu geben. Kruvendurchfahrten geschehen mit ebensolcher Leichtigkeit wie Innerorts, Unebenheiten werden sauber weggesteckt und Kanaldeckel lassen sich geschickt umzirkeln. Wieder klingelts und endlich angekommen. Nachgeschaut…kein Anruf auf dem Handy??? Hmmm…Mopedchen abstellen…wo zum Henker ist der Seitenständer, das Ding hat sich beim Einklappen fast zu gut versteckt, leider fehlt an dem Ständerchen irgend ein Stäbchen, Schnibbel oder Sonstiges Teil zum besseren rausklappen, so ist es einfach nur fummelig.

Landstraße + Sozia: Fußrasten ausgeklappt…Erster Beifahrer Kommentar…“Ähm, die Sitzbank ist aber schmal“ aufgesessen…zwoter Kommentar…“ist die hoch.“ und los gings wieder, dem Regen entgegen. (Ich muss mal erwähnen das die Gefrierbeutel mit Zippverschluss vom Luedel wunderbar dicht halten. ) Über Land dann ca. 35km den Berufsverkehr bei einem wunderbaren Frühjahrsregen folgend dann zum Zielort der 2 Etappe. Einen Beifahrer merkt man da nicht wirklich, natürlich die Kruven noch ein wenig vorsichtiger…Mann hat ja schließlich Verantwortung..einzigst ein gelegentlich heftiges Druckgefühl in der Rippengegend beim Beschleunigen zeugte vom 2 Personen Betrieb. Angekommen und nun vollends durchnässt. Keine Klagen der Beifahrerin über Popoweh sogar ein Lob über den angenehmen Kniewinkel, lediglich scheint ein wenig Nass von hinten an den Allerwertesten gejitscht zu sein und hat für ein Fehlgefühl der Durchnässung gesorgt. Die Beschreibung des kurzen 5km nach Hause ritts spar ich mir, war jedenfalls froh mich nach der Wasserschlacht wieder trocken legen zu können. (Eine warme Dusche kann etwas herrliches sein.)

Fahrbericht 2.Tag: Leider bleibt mir heute nicht mehr so viel Zeit zu fahren dafür hat aber der Regen eine kleine Pause eingelegt. Also ca.24km Landstraße und dann noch mal 5km Stadt, sagt jedenfalls das Garmin auf leicht indirektem Weg voraus. Die Straße ist leider nicht ganz trocken aber zu Gestern in 100% besserem Zustand. Also Starten, diesmal mit etwas längerm Druck auf den Startknopf und läuft ohne zu zicken. Kurz zur Tanke und mal 5 Liter Sprit rein schütten, die Tankanzeige mahnte hierzu. Der Tankdeckel ist leider auch wie der Tank aus Kunststoff und wirkt leider sehr popelig, hatte irgendwie das gleiche empfinden wie beim öffnen eines Tetra-Packs, Plaste halt. Der Tankvorgang ist ebenso etwas ungewohnt da die Zapfpistole nicht einfach gerade reingesteckt werden kann. Das Innenleben des Tanks ist da ein wenig unfreundlich, also mit der Pistole ein wenig nach hinten ziehlen und langsam den Saft rein gluckern lassen. Ähm…5 Liter und fast voll…schon komisch…egal mehr gib es nicht. Bezahlt und weiter, bein Anlassen der Maschine zeigt sich dann das die Tankanzeige immer noch auf min steht, ganz langsam steigt sie dann doch bis ca. halb. Von nun an ging es dann auch recht schnell…Kurven, Kurven, Kurven und schon in der Stadt…Schade aber aus irgend einem Grund war ich recht gut gelaunt. 😉 In der Stadt gesellte sich dann wieder ein bekanntes Phänomen zum leisen aber dennoch dumpf und angenehm klingenden Auspuffgeblubber. Das Klingeln war wieder da; Immer im Schiebebetrieb, also beim Gas wegnehmen scheint die Einspritzanlage irgendwas nachzuregeln und verursacht offensichtlich dieses (Telefon)Geräusch, nicht wirklich schlimm aber es nervt doch. Das quiken der Bremsen hat sich dann im trockenen ebenfalls gegeben, dafür beißen die Brembos um so herzhafter. Leider verging die heutige Fahrt viel zu schnell und die Kati steht wieder beim Freundlichen.

Fazit: Ein geiles Spielzeug das sicher manchem Supersportler das Fürchten lehrt wenn der richtige Fahrer drauf Platz nimmt. Die kleine grobe Testfahrt ist natürlich stark vom Wetter geprägt, also quasi fast ins Wasser gefallen aber ich denke unter den schwierigen Bedingungen stellen sich Fahreindrücke doppelt gut dar auch wenns nur knapp über 100km waren. Wer mich kennt wird wissen was im Regen alles geht. zur Technik:Sehr hochwertige Bauteile, selbst als „nomale“ SM Ausführung ein Top Gerät. Kleine Mängel die aber schnell vergessen sind sobald man freie Fahrt hat. Der Motor ist eine technische Meisterleistung und wird sicher schwer zu toppen sein.  Preis-/Leistungsverhältnis, vergesst es…einfach den KTM Händler eures geringsten Misstrauens fragen und selbst fahren. Vorsicht: Unvernunft lässt grüßen 😉

Plus/Minus Liste: Ich hab mal versucht die Sachen die mir aufgefallen sind einwenig zusammen zu fassen. Alles ist natürlich Situationsabhängig und nach meinem Empfinden beschrieben.

Positiv:
Motor zieht wie sau
(unter 3000U/m ein bischen bockig)
gute Getriebeabstimmung
super handlich
Sitzposition rückfreundlich aufrecht
Sozia tauglich
bissige gut dosierbare Vorderradbremse
Hinterradbremse etwas fad aber problemlos dosierbar
Klarglasrücklicht (leider kein LED)

negativ:
Piepsen/klingeln (vermutlich von der Einspritzanlage)
Bremse quitscht/summt im nassen extrem
Fender zu klein (Wasser wir vom Vorderrad hoch geschleudert)
Seitenständer ohne Knebel (Fummelig zum ausklappen und schnappt nur wiederwillig ein)
Armaturen spiegeln im nassen, Wasser bleibt drauf stehen
Leichte Vibrationen im Lenker (vermutlich vom Reifen)
Motor läuft mechanisch rau (war immer schon so bei KTM)
Häßlicher Ölvorratsbehälter (das geht auch schöner)
Serien Reifen im Nassen mit Vorsicht zu genießen
Klarsichtschlauch an linker Motorseite (noch klar, was ist in 20.000km?)
Rücklicht Glühbirnen rot eingefärbt (Sorry Leute, mal auf die Schnelle an der Tanke oder im Baumarkt ein Leuchtmittel kaufen ist wohl damit nicht, wieso baut man nicht ordentlich ein paar LED´s ein? )
Putz unfreundliche Ausbuchtungen an den Speichen der Felgen (eine Seite ist glatt/eine Seite ausgespart)


Technische Daten:

Motorbauart Zweizylinder, 4-Takt, V 75°
Hubraum 999 ccm
Bohrung x Hub 101 x 62,4 mm
Leistung 85 kW bei 9000 U/min
Max. Drehmoment 97 Nm bei 7000 U/min
Kompression 11.5:1
Starter/Batterie E-Starter/12 V 11.2 Ah
Getriebe 6-Gang, klauengeschaltet
Gemischaufbereitung Keihin EFI
Steuerung 4 V/DOHC
Schmierung Druckumlaufschmierung mit 2 Ölpumpen
Motorschmierung Motorex, SAE 10W-50
Primärtrieb 35:67
Sekundärtrieb 17:41
Kühlung Flüssigkeitskühlung
Kupplung Mehrscheibenkupplung im Ölbad, hydraulisch betätigt
Motor Management Keihin EMS

Rahmen Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen, pulverbeschichtet
Rahmenheck Aluminium
Lenker Aluminium Ø 28/22 mm, konifiziert
Federung vorne WP USD Ø 48 mm
Federung hinten WP mono shock
Federweg vorne/hinten 160/180 mm
Bremse vorne 2 Brembo Vierkolben-Radialfestsattel, Bremsscheiben Ø 305 mm, schwimmend
Bremse hinten Brembo Zweikolben-Schwimmsattel, Bremsscheiben Ø 240 mm
Felgen, vorne/hinten Aluschmiederäder 3,5 x 17“; 5,5 x 17“
Bereifung vorne/hinten 120/70 ZR 17 – 180/55 ZR 17
Kette X-Ring 5/8 x 5/16″
Enddämpfer Edelstahl-Doppelschalldämpfer mit Katalysatoren
Steuerkopfwinkel 65,6°
Nachlauf 109 mm
Radstand 1510 ± 15 mm
Bodenfreiheit unbelastet 195 mm
Sitzhöhe 875 mm
Tankinhalt ca. 15 Liter/3,7 Liter Reserve
Gewicht (ohne Benzin) ca. 189 kg

Reifen Pirelli Dragon Supercorsa Pro

Preis neu: ca.13.000€

PS:Die SV steht übrigens wieder an ihrem Platz und wird mich sicher noch einige Zeit begleiten. 😉

12.05.09 Kleiner Nachtrag in die Pro-/Contraliste

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