Nachruf – KTM 990 Adventure EFI

KTM 990 Adventure EFI

Vorab gesagt: Das war eines der besten Motorräder die ich jeher gefahren bin.

Jetzt kommt sicher der Aufschrei…„Wieso hat der Depp die denn verkauft!“
Nun das hatte verschiedene Gründe.

Was war das für eine Maschine? Die Einordnung ist nicht ganz einfach…Straßenenduro währe etwas zu profan…als Sport Enduro ein bisschen zu mopsig…Groß Enduro käme schon eher hin aber im Endeffekt war es eine gelungene Mischung. Nicht nur im leichten und mittleren Gelände, zur Flussdurchquerung auch auf Asphalt macht das Teil eine gute Figur. Wie bei manch anderen Marken üblich wurden hier nicht die Einschränkungen beim Fahrzeug gemacht sondern hier wurde von KTM anscheinen der Fahrer als notwendiges Übel angesehen.

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Optik, Fahrwerk und Motor sowie den daraus resultierenden Fahrspaß waren absolut Genial… die Grenzen des Machbaren wurden hier eindeutig dem Fahrer in die Stiefel und ins Portemonnaie geschoben bzw. lagen hier eindeutig beim Reifen und beim Popometer des Fahrers… Kein Zweifel – Handling und Ergonomie sind nahezu perfekt, Windschutz trotz originaler recht hoher Scheibe nur mäßig, Gasannahme bei den ersten 990 Modellen ohne Änderung der Kurvenscheibe am Gasgriff war brutal und kaum zu dosieren, Verbrauch bei schneller Fahrweise jenseits von gut und böse und die Wartungsfreundlichkeit hat man wohl total vergessen. Fahrspaß… ja das war was mich eigentlich immer über alle Übelchen hinweg sehen lassen hat, sei es die derben Vibrationen oder das Kettenschlagen wenn mal wieder die Kettenspannung nicht penibelst korrekt war. Rostansätze wo eigentlich kein Rost entstehen dürfte, die sich schnell entladende Batterie, leicht umständliches Betanken und der Scheinwerfer ein absoluter Witz …den hätten die auch gleich weg lassen können. Alles immer nur Kleinigkeiten die nicht wirklich im Fahrbetrieb aufgefallen sind aber in Summe doch ärgerlich waren.

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Defekte? Außer ein total zerstörtes Lenkkopflager und einer verschlissenen Dichtung am hinteren Bremsgeberzylinder gab es nichts zu Melden – Gesamtkosten incl. Selbstmontage unter 50€. Ölverbrauch, ja den gab es aber nur minimal und laut Werksangabe im grünen Bereich. Alles immer noch nicht wirklich der Grund für den Verkauf der KTM.

Was mich im Endeffekt nun wirklich gestört hat waren die Wartungskosten… he ich als Selbstschrauber und Wartungskosten? Das Teil war meine Alltagsmaschine und da will ich nicht andauern schrauben, dafür hab ich ein anderes Maschinchen ohne viel Elektronik, der ich meine begrenze Zeit anvertraue. KTM ruft sich für Wartung einen saftigen Stundensatz auf (BMW Fahrer werden jetzt müde lächeln), hinzu kommt…die Ings haben es den Mechs halt nicht so einfach gemacht, so müssen für viele Arbeiten schon mal passé die 2 Tanks runter und was sonst noch so drum rum hängt, Ventile einstellen bei dem Motor ist auch ganz spaßig. Hinzu kommt noch der völlig unzeitgemäßen Wartungsintervalls von 7.500km… bei ca.15.000km Fahrspaß im Jahr nicht mehr lustig. Um Korrekt zu sein muss man aber erwähnen dass die Intervalle bei den neueren Modellen angehoben wurden.

Also grob gesagt, von der Fahrfreude her ein Hochgenuss- finanziell gesehen ein mittleres Desaster. Nach knapp 3 1/2 Jahren, gut 46000km und somit 6x Inspektion, 5 Satz Reifen und gute 2993l Sprit kam dann die Überlegung…was kriegt man noch für die Kiste. Hinzu kam noch das bei KTM ein Modellwechsel anstand und siehe da, nach den ersten Bildern und Berichten der neuen Adventure stieg der Preis der „Alten“ leicht an… kurz überlegt und die Maschine wurde zu einem fairen Preis inseriert. Die Nachhaltigkeit der Inspektionen zahlte sich dann auch aus und ein Käufer hat sich schnell gefunden. Ich hoffe dass dieser die KTM genau so pflegt und diese dann noch lange hält.

So viel Geschimpfe und immer noch zufrieden…ja…definitiv…ich würde Sie mir wieder kaufen…sie macht einfach Spaß…sie war immer zuverlässig…aber nur als 3. Moped und dafür ist sie eigentlich zu schade.

Meine neue Maschine wird sicher nicht den Fahrspaß verstreuen wie das kürbisfarbene Ungetüm…

…sie ist etwas sanfter… weniger Hubraum…pflege leichter…günstiger im Unterhalt… Wartungskosten und Reparaturen halten sich hoffentlich in Grenzen…

…mal schauen was die Zeit so mit sich bringt…   Big Boss

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